Mein Leben mit essentiellem Tremor

 

 

Schon seit ich denken kann begleitet mich der Tremor auf meinem Lebensweg, mal stärker ausgeprägt und manchmal gar nicht sichtbar.

 

Nicht immer war es leicht für mich damit umzugehen, gerade in meiner letzten Arbeit als Servicekraft in einer namhaften Spielhalle war es manchmal überaus unangenehm. Vor allem wenn dann komische Blicke kommen, sei es von Gästen oder auch den Kollegen. 

 

Wie oft musste ich mich rechtfertigen, warum ich das Glas Cola nicht mit Tablett serviere oder eben bis ganz oben hin fülle.

 

 

Rechtfertigungen, Erklärungen, scheele Blicke - all das und noch mehr begleitet mich mein ganzes Leben.

 

Ich habe mich erst sehr spät untersuchen lassen - meistens versucht alles zu überspielen. Doch damit ist jetzt Schluss.

Essentieller Tremor - Was ist das eigentlich?

 

Ein essentieller Tremor ist eine neurologische Bewegungsstörung. Solange ich  entspannt bin, ist alles in Ordnung. Doch sobald ich Hände schütteln, die Tür aufschließen oder einfach nur eine Tasse Kaffee zum Mund führen will, fangen meine Hände durch die Muskelanspannung unkontrolliert an zu zittern. Manchmal zittern auch die Arme oder Beine, selbst die Stimme kann betroffen sein. In stressigen Situationen wird das Zittern oft noch schlimmer, was die Betroffenen oftmals besonders beschämt. 

 

Bereits mehrmals habe ich mich von Neurologen stundenlang untersuchen lassen, leider wurde keine Ursache dafür gefunden. Deshalb wird alles unter essentiellem Tremor zusammengefasst, wofür es keine Ursache gibt. 

 

Mein Tremor

Mein Tremor ist ein kleines gemeines Biest, dass manchmal tagelang ruht, nur um dann mit aller Härte zuzuschlagen und mir mein Leben erheblich erschwert. Sachen wie Kettenverschlüsse öffnen und schließen sind für mich sehr schwierig und teilweise auch gar nicht machbar. Oder eben wie beschrieben ein Glas Cola auf einem Tablett zu servieren. Dann lieber ohne und nicht ganz so voll. 

 

Lange Zeit habe ich mich sehr für das Zittern meiner Hände geschämt, habe immer versucht es zu verbergen indem ich Dinge mit zwei Händen genommen habe oder einfach abgewartet hab bis niemand hinsieht.

 

Besonders unangenehme Momente in denen ich mich beobachtet fühle verschlimmern dass Zittern noch. Wenn ich nervös bin, ist es aus mit der "ruhigen Hand"

 

Kleine Geschichten

 

Dank meinem Tremor habe ich so allerhand erlebt. Ein paar Anekdoten möchte ich mit euch teilen;

 

Als ich noch nicht lange mit meinem Freund zusammen war, hat seine Mutter uns beide zum Weihnachtsessen eingeladen. Natürlich war ich da so schon ziemlich nervös und zu meinem "Glück" gab es natürlich auch noch Suppe und Soßen die man sich selber mit einem Schöpflöffel rausnehmen sollte. Natürlich hab ich mir einen abgezittert und die Hälfte der Suppe ist wieder im Teller gelandet anstatt in meinem Mund.

Bei der Soße habe ich meinen Freund gebeten mir diese auf den Teller zu kippen, wahrscheinlich dachte sich seine Mutter auch, was ist denn das für ne Tussi. Naja allemal besser als die ganze Tischdecke zu ruinieren.

 

Ich habe 1 Jahr in einer Spielhalle gearbeitet und dort wegen meiner Sprüche von den meist männlichen Gästen allerhand Sprüche kassiert zum Beispiel "Mach ich dich nervös" (anzüglicher Blick hinterher) Ja klar als würde mich ein 45 jähriger Hardcore Zocker nervös machen. Ja ne is klar.

 

 

Was mich besonders stört

 

Ich denke das schlimmste für mich ist, dass ich mir einbilde die Leute würden bei meinen zitternden Händen auf einen Alkoholabusus schließen, also dass ich ein Alki auf Entzug bin. Und manchmal zittere ich schon beim bezahlen an der Kasse so stark, dass ich kaum die EC Karte aus seinem Fach bekomme. Und auch auf den Videos die ihr hier auf meinem Blog finden könnt, zittere ich stark. Manchmal mehr manchmal weniger. 

 

Wie gerne hätte ich mal für einen Tag eine richtig ruhige Hand. Klar kann man den Tremor mit Betablockern oder anderen Medikamenten behandeln, aber das kommt für mich einfach nicht in Frage. Ich möchte mich nicht Tag für Tag mit irgendwelchen Tabletten vollstopfen nur um meine Kette zuzubekommen etc. Mal abgesehen davon dass Betablocker nicht nur süchtig machen, sondern auch andere Nebenwirkungen haben können.

 

 

Stark und Selbstbewusst bleiben

 

Ich lasse mich nicht mehr einschränken von meinem Tremor und auch die Reaktionen der Leute sind mir mittlerweile egal (hat ja nur fast 30 Jahre gedauert) Mittlerweile wenn mich Leute auf mein Zittern ansprechen, erkläre ich ihnen in zwei Sätzen warum dass so ist und das war es dann auch.

 

Meine Freunde wissen alle Bescheid und nehmen Rücksicht auf mich, ohne mich dabei zu übervorteilen. Ich versuche auch immer Selbstbewusst damit in der Öffentlichkeit zu agieren, denn ändern kann ich daran eh nichts und dafür erst recht nichts. 

 

So bleibt der Tremor mein ganz spezieller Begleiter und ich denke wir werden noch so allerhand erleben ;-)

 

Hat einer aus eurer Familie einen essentiellen Tremor? Vielleicht sogar ihr selbst? Schreibt mir gerne und erzählt mir von euren Erlebnissen oder was euch geholfen hat. Ich freue mich über jede Nachricht!

 


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Kommentare: 4
  • #1

    Michaela Gruber (Montag, 26 Juni 2017 23:44)

    Wow, finde deinen Artikel total spannend und es sind auch einige für mich neue Infos zum essentiellen Tremor dabei. Ich wünsche dir viel Glück für die Zukunft und lass dich nicht unterkriegen!
    Liebe grüße aus Bolivien
    Michaela

  • #2

    Yvonne Kraus (Dienstag, 27 Juni 2017 01:03)

    Und wieder etwas dazu gelernt, ich kannte so etwas vorher noch nicht.
    Ich finde es toll wie du damit umgehst und bin mir sicher das du auch den Rest deines Lebend super damit meistern wirst :)
    Liebe Grüße
    Yvonne :)

  • #3

    AVEC QUATRE (Dienstag, 27 Juni 2017 07:51)

    Liebe Laura,

    ich finde wirklich super, wie offen du hier mit deinem kleinen Biest umgehst und das du selbstbewusst genug bist, um so blöde Sprüche locker wegzustecken bzw. gut zu kontern.

    Viele Grüße

    Rebecca

  • #4

    Lydiaswelt (Dienstag, 27 Juni 2017 14:26)

    Hallo, ich finde es gut wie Du mit Deiner Behinderung umgehst. Ich bin blind. Und sobald ich das Gefühl bekomme, daß mich jemand beobachtet, fange ich bei den einfachsten Tätigkeiten an zu zittern.

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